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Online-Händler kennen das Dilemma: die Quote der Zahlungsausfälle soll möglichst gering sein, zu viele Bestellungen will man aber auch nicht ablehnen. Ein ausgefeiltes Risikomanagement ist also ein Muss! Reine Bonitätsinformationen sind dabei aber nicht mehr ausreichend – Risikomanagement bedeutet heute viel mehr. Hier meine zehn Trends:

Trend 1 – Risikogleichgewicht zwischen Anbieter und Nachfrager

Nicht nur der Anbieter trägt im Online-Handel das Risiko. Auch der Verbraucher geht beim Shopping im Internet ein Risiko ein – denn er kennt auch nicht jeden Shop, bei dem er einkauft. Mit Zahlungsarten wie Vorkasse etc. kann sich der Shop absichern – der Verbraucher wiederum muss zahlen, bevor er die gewünschte Ware erhält und schreckt eventuell vorm Kauf zurück. Er bevorzugt für seinen Einkauf Zahlungsarten wie zum Beispiel den Kauf auf Rechnung oder die Lastschrift, um erstmal die gelieferte Ware prüfen zu können. An die Online-Händler, wie wäre es mit Zahlungsarten , die dem Verbraucher schmecken – natürlich abgesichert durch eine Bonitätsprüfung! So profitieren beide, das Risiko ist verteilt und auch Identitätsmissbrauch, ein großes Problem sowohl für Verbraucher wie Shopbetreiber, wird erschwert.

Trend 2 – B2B und B2C verschwimmen immer mehr

Neben den reinen B2B-Shops, gibt es inzwischen auch immer mehr B2B-Shops mit Angeboten für Privatkunden. Diese Shops stehen aufgrund der unterschiedlichen Kundenstruktur (Unternehmen versus Privatperson) in Sachen Risikomanagement jetzt vor ganz besonderen Herausforderungen!

Trend 3 – Digitale Antragsstrecken durchdringen sämtliche Bereiche des Geschäftsverkehrs

Es dem User so einfach und angenehm zu machen wie möglich lautet die Devise. Von der Bestellung über die Identifizierung z. B. bei Ratenkäufen bis hin zum Live-Support – alles soll möglichst direkt online gemacht werden –  denn Medienbrüche schrecken ab und waren gestern!

Stephan Vila auf der Payment Summit 2019

Trend 4 – Digitale Identität schlägt die Bonität

Eine viel größere Rolle als die reinen Bonitätsdaten wird in Zukunft die digitale Identität spielen. Wobei es hier weniger um die Identitätsdaten, die wir klassisch aus dem Personalausweis kennen, geht. Es geht hier viel mehr um Daten rund um eine echte im Netz identifizierte Person. Und das können neben personenbezogenen Daten auch weitere Daten wie Zahlungserfahrungen sein, die zur Identifizierung beitragen.

Trend 5 – Blockchain wird „ihr Problem“ bekommen und es lösen

Blockchain ist zwar in aller Munde, aber ausgeschöpft wird das Potenzial dieser Zukunftstechnologie noch nicht. Das wird sich bald ändern. Im Risikomanagement wird die Blockchain ihre ultimative Aufgabe finden und es revolutionieren.

Trend 6 – Bonität behält ihre Bedeutung

So ganz ohne Bonitätsprüfung wird es auch in Zukunft nicht gehen. Besonders die branchenübergreifend immer populärer werdenden Miet- und Abo-Modelle rücken hier in den Fokus. Wer als Geschäftsmodell längerfristig Waren an Verbraucher verleiht, tut gut daran, regelmäßig die aktuelle Bonität seiner Bestandsmieter zu prüfen, um das Risiko seines Gesamtportfolios realistisch einschätzen zu können. Auch der „beste“ Kunde kann sechs Monate nach Vertragsbeginn in finanziellen Schwierigkeiten stecken.

Und auch der Verbraucherwunsch, Waren auf Rechnung zu bestellen, der klassische Anwendungsfall für Bonitätsprüfungen, wird uns noch eine Weile begleiten. Keine noch so trendige Zahlungsart kann seine Vorteile für den Verbraucher ersetzen.

Trend 7 – Bonitätsbeurteilung wird deutlich komplexer

Identitätsdaten, Bestelluhrzeit, Bestellgerät, ggf. eigene Daten des Beauskunfteten u.v.m. Dazu die rechtlichen Rahmenbedingungen, die beachtet werden müssen. In die Bonitätsbeurteilung fließen immer mehr Daten ein und machen sie somit deutlich komplexer – aber damit natürlich auch deutlich differenzierter. Digitale Beziehungsketten – wie die Verflechtung von Unternehmen und Privatpersonen – werden hier als Bewertungsgrundlage eine immense Rolle spielen – womit wir wieder bei Trend Nr. 5 wären.

Trend 8 – Zeit steht nicht mehr als Verbündeter zur Verfügung

Digitale Antragsstrecken, Echtzeit-Entscheidungssysteme und Instant Delivery auf Verkäuferseite. Instant Payment und „künstliche“ Limitierung auf der des Käufers. Vieles passiert heute in Echtzeit und digital. Und da gilt: Was weg ist, ist weg. Sowohl die Ware des Shopbetreibers wie das Geld des Käufers.

Trend 9 – Nur Künstliche Intelligenz kann die Datenmengen der Zukunft beherrschen!

Eine 175.000.000.000.000.000.000.000 Zettabyte große Datenmenge wird für das Jahr 2025 prognostiziert. Denn nicht nur die Datenmengen werden zunehmen, auch werden dann immer mehr Objekte bzw. Inhalte digitalisiert sein. Und um diese Daten sinnvoll nutzen und verarbeiten zu können, muss KI in der Zukunft aushelfen. Diese Datenmenge kann kein menschliches Gehirn mehr verarbeiten.

Trend 10 – Regulierung und Rechtsprechung werden den Überblick verlieren

Zunehmendes Wachstum, immer mehr Digitalisierung und Innovationen und auf der anderen Seite Datenschutz, Datensicherheit und der Verbraucherschutz. Eine neue Herausforderung für die Gesetzgebung und die Rechtsprechung. Wie an vielen aktuellen Beispielen zu beobachten, haben gesetzliche Entscheidungen und Vorgaben, zum Beispiel zur Stärkung der Verbraucherrechte in der digitalen Welt, oft vielfältige Auswirkungen auf die digitale Wirtschaft, die Innovationen ausbremsen und Geschäfte erschweren. Die Konsequenzen für den E-Commerce scheinen dabei oft nicht durchdacht worden zu sein. So wichtig Verbraucherschutz auch ist, das Interesse der Wirtschaft sollte dabei nicht völlig ignoriert werden. Hier ist aktuell ein gewisses Ungleichgewicht zu beobachten.

Die Trends zeigen, es passiert und entwickelt sich im Bereich Risikomanagement gerade enorm viel. Und was auch deutlich wird: man schafft es kaum noch alleine. Der Online-Händler kann sein Risikomanagement gar nicht mehr ohne externe Unterstützung effizient durchführen. Die Kooperationen und Nutzung von Synergieeffekten sind heute maßgeblich für ein erfolgreiches Business.

Ich bin gespannt, wo die Reise hingeht!

Bildquelle: vernonwiley / istockphoto.com

Stephan Vila
Autor

Stephan Vila ist bereits seit 1996 für Creditreform tätig. Seit Januar 2019 verstärkt er die Geschäftsführung von Boniversum. Seine Themen sind Paymentlösungen und neue Trends im Risikomanagement.

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